Die Jahrhunderte vor der Bebauung

Die Siedlung Riederwald liegt auf einem Teil der Niederung, die zwischen dem Main und einem am Seckbacher und Bornheimer Hang entlang ziehenden eiszeit-lichen, später versumpften Seitenarm des Mains angeschwemmt wurde. Der Riederwald selbst ist ein Rest des dort entstandenen Auenwaldes, den die im 5./6. Jahrhundert ins Rhein-Main-Gebiet gekommenen Franken rodeten.

Die Riederhöfe

Im Jahre 1193 werden erstmals die Riederhöfe genannt („Hof in Riedern“, Ried = Schwemmland). Ursprünglich königlicher Besitz, kamen sie und die zugehörigen Ländereien in den Besitz von Klöstern und danach von Frankfurter Patriziern; Ende des 15. Jahrhunderts schließlich in die Hände des Frankfurter Hospitals zum Heiligen Geist. Insgesamt vier Höfe bildeten eine Art „Vorstadt“, die auch strategische Bedeutung hatte. Der Hofkomplex war mit Befestigungen und Landwehrgräben ausgestattet. Die geographische Lage der Riederhöfe an der Grenze zu dem Territorium, das die Herren von Hanau ihr Eigen nannten, brachte für die Frankfurter einigen Ärger mit sich.

So drangen etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts zwei Hanauer Befehlshaber mit ein paar Reisigen (gewappnete Dienstleute oder auch berittene Begleitpersonen) in die Höfe ein und ergriffen dort den „Peter Jost aus Niederrad“, der dort offenbar als Verwalter oder Angestellter des Hofes tätig war. Sie brachten ihn vor den Zentgrafen von Fechenheim und verschleppten ihn dann nach Bergen, wo er ohne Gerichtsurteil einfach aufgeknüpft wurde.

Von den Frankfurtern zur Rede gestellt, behauptete man, Peter Jost sei außerhalb der Frankfurter Landwehr, also auf hanauischem Gebiet, mit einer Büchse in der Hand erwischt worden, als er einen Hasen schießen wollte. Im Jahre 1900 erwirbt schließlich die Stadt Frankfurt am Main die Riederhöfe, um Platz für den Bau des Osthafens zu gewinnen.

Nur das Haupttor mit seiner Pechnase hat alle Kriege überstanden. Die Taube – Symbol für den Heiligen Geist – über dem Rundbogen der Toreinfahrt, ist jetzt stark verwittert. Als stummer Zeuge vergangener Tage steht das Tor heute eingepfercht zwischen modernen Speditionshallen.

Die Schlacht am Riederwald“

Das Gebiet der heutigen Riederwaldsiedlung und der Wald gehörte zu den Ländereien der Riederhöfe, lag aber außerhalb der im 15.Jahrhundert angelegten Frankfurter Landwehr. Das ganze Gelände zählte im 14. und 15. Jahrhundert zur Grafschaft Bornheimer Berg, ebenso wie die Dörfer der Umgebung, einschließlich Vilbel bis Gronau und Offenbach.

Um 1500 bestritten die Grafen von Hanau die Frankfurter Hoheit über dieses Gebiet. Das führte immer wieder zu teilweise blutigen Auseinandersetzungen. Anlässlich einer von Frankfurtern veranstalteten Treibjagd im Riederwald kam es am 4.10.1773 zu der „Schlacht am Riederwald“ zwischen Fechenheimern (damals zu Hanau gehörend) und Frankfurtern. Die Hanauer Regierung beschreibt die Beteiligten in ihrer Chronologie der Ereignisse folgendermaßen:

Der Unterschied zwischen den zugegen gewesenen Fechenheimer Untertanen von denen Frankfurtern ist ganz handgreiflich. Die ersteren seynd bloße Untertanen und bei dem Jagdstreite selbst in keiner Weise interessiert. Was sie getan haben, ist lediglich aus Ihrer Untertanen-Pflichten hergeflossen, und alles auf Ihres Durchlauchtigsten Fürsten Gebiet zu alleiniger Aufrechterhaltung höchst derselben Landesherrlichen Gerechtsammergeschehen… Der Frankfurter Teil hingegen besteht ohne das Kommando und ein paar Stadtbedienten, aus dem Abschaum des dortigen Pöbels und denen der Wilddieberey wegen in der ganzen Nachbarschaft vorlängst berüchtigten Gärtnern, insgesamt ist ihnen an der Jagd vor ihre Person gar zu viel und vorzüglich gelegen, als dass ihr Zeugniß glaubwürdig sein könnte. „

Die ersten Bauten

Als ältestes, heute nicht mehr erhaltenes, Bauwerk im Riederwald gilt das Wasserpumpwerk, erbaut 1864 von Dr. Otto Vogler, dem Gründer des Freien Deutschen Hochstifts. 1897 wurde dann das Forsthaus Riederwald errichtet. Es diente schon bald als beliebte Ausflugsstätte der Frankfurter Bevölkerung; im Volksmund kannte man es unter der Bezeichnung „Waldschlößchen“

Quelle: Nachdruck mit redaktionellen Änderungen der Publikation „100 Jahre Riederwald“, erarbeitet von der Riederwälder Geschichtswerkstatt in den Jahren 1990-2000, herausgegeben vom Riederwälder Vereinsring aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Stadtteils Riederwald im Jahr 2011.