Zwischen Friseurladen und Wohnzimmer: 25 Jahre Frisiersalon Sabine.

Mit Schere, Charme und großem Herz kümmert sich Sabine Döring vom „Frisiersalon Sabine“ (nicht nur) um die Haarpracht der Riederwälder*innen. Im September hat sie 25-jährigens Firmenjubiläum gefeiert. Für uns ein Anlass, um mit ihr über ihre Arbeit, den Riederwald und die Herausforderungen der Corona-Zeit zu sprechen.

Sabine, erzähl doch mal, wie hat es dich in den Riederwald verschlagen?

Ich bin im Riederwald geboren und aufgewachsen. Bei mir hatten schon als Kind alle Puppen keine Haare mehr, die habe ich alle abgeschnitten. So fing es an. Der Friseurberuf hat mir dann auch später sehr gefallen und ich habe meine Ausbildung gemacht. Ich habe dann im Riederwald im Friseursalon Binger gearbeitet. Als er das Geschäft aufgab hat er mich gebeten, den Laden zu übernehmen. Das war bei mir damals aber nicht möglich, weil ich eine kleine Tochter hatte. Als die dann 10 Jahre alt war habe ich mich selbstständig gemacht, meinen Meistertitel erworben und meinen Laden im Riederwald eröffnet. Das war 1995 und 25 Jahre später bin ich noch immer da.

In den 25 Jahren hat sich im Riederwald ja ganz schön viel verändert. Hast du versucht dich und deinen Laden an diese Veränderungen anzupassen?

Nein, eigentlich eher im Gegenteil. Ich habe immer versucht einen Mittelweg zu finden, damit man jedem gerecht werden kann. Was natürlich sehr schwer ist. Einerseits haben sich ja auch für uns Gewerbetreibenden die Kosten erhöht. Ob das jetzt die Mieten sind, ob das die Nebenkosten sind. Andererseits haben heute viele Bewohner des Riederwalds weniger Geld als früher, d.h. man muss versuchen die Preis runterzuschrauben. Und jetzt noch Corona mit all den Einschränkungen. Da ist es nicht leicht noch von der eigenen Arbeit leben zu können.

Du hast Corona schon kurz angeschnitten. Wie waren die letzten Monate für dich?

Durch Corona wurde man vom einen auf den anderen Tag an die Wand gestellt und hatte nichts mehr. Mein Geschäft ist sieben Wochen weggebrochen! Die drei Wochen danach kamen dann alle, die sich vorher nicht die Haare schneiden lassen konnten, das war natürlich gut. Und jetzt hat es sich eigentlich wieder eingependelt und ist ungefähr so wie vorher. Ich habe das Glück, dass ich trotz aller Veränderungen noch immer ein Stammpublikum habe. Die sind geduldig und respektieren, dass ich jetzt gewissen Sachen machen muss und andere nicht mehr machen kann. Es geht ja schließlich um meine und deren Sicherheit.

Hast du an der Corona-Zeit auch etwas positiv empfunden?

Ja klar. Ich habe jetzt einen Mustergarten daheim. Es war das erste Mal in 25 Jahren, dass ich sieben Wochen am Stück Freizeit hatte. Urlaub wie viele andere, das hatte ich so ja nie. Ich hatte mal ein verlängertes Wochenende oder eine Woche Urlaub. Aber ansonsten… Die ersten zehn Jahre in denen ich das Geschäft hatte, hatte ich garkeinen Urlaub, keinen einen Tag, nur gearbeitet. Immer nur versucht es Anderen Recht zu machen.

Und deine Kund*innen, was erzählen die dir so, wie es ihnen ergangen ist?

Viele die krank oder vorbelastet sind, die trauen sich nicht, bei mir vorbeizukommen. Da gucke ich dann, dass ich Sondertermine mache. Das sind Leute die kommen seit Jahrzehnten, die haben mir immer den Rücken freigehalten. Da komme ich denen jetzt natürlich auch entgegen. Einsamkeit ist auch ein großes Thema. In den Wochen, in denen ich geschlossen hatte, haben viele angerufen, einfach um sich zu unterhalten. Die Stammkunden, das ist wie… Familie hier im Riederwald. Für viele ist mein Laden ja auch nicht nur Frisiersalon, sondern Wohnzimmer. Die Leute sind vor Corona spontan zum Quatschen vorbei gekommen, ich habe einen Kaffee oder eine Zeitung gereicht, auch mal einen Rat gegeben. Das hat den Leuten immer Spaß gemacht. Und mir natürlich auch, weil es war ja immer schön mit den Leuten. Das geht jetzt alles nicht mehr und das vermisse ich total. Aber ich kann trotzdem nur an alle appellieren, die Situation ernst zu nehmen und sich entsprechend zu verhalten, damit es irgendwann auch wieder normal wird.