Riederwaldtunnel: Prognose 2030: Nun deutlicher Mehrverkehr statt Entlastung

Offener Brief vom 31. Mai 2022

Riederwaldtunnel: Offizielle Prognose 2030 für Frankfurt: Nun deutlicher Mehrverkehr statt Entlastung

Lieber Ministerpräsident Rhein, lieber Verkehrsminister Al-Wazir, liebe Umweltministerin Hinz, lieber Verkehrsdezernent Majer, liebe Umweltdezernentin Heilig, liebe Mitglieder der Parteien im Hessischen Landtag und im Frankfurter Stadtparlament sowie den Ortsbeiräten 3 (Nordend), 4 (Bornheim und Ostend), 11 (Riederwald, Fechenheim, Seckbach) und 16 (Bergen Enkheim),

auch wenn Sie zunächst von den Zahlen überrascht sein sollten, erwarte wir von Ihnen als verantwortungsvolle Politiker, dass sie folgende Aussagen von uns auf Korrektheit überprüfen und die nötigen Schüsse daraus ziehen.

Die Aussagen beruhen aus den Prognosezahlen der Autobahn GmbH (früher Hessen Mobil) aus der für das Projekt Riederwaldtunnel relevanten Prognose für 2030 mit und ohne Tunnel aus dem Jahr 2017:

Fazit vorweg: Grundsätzlich machen die offiziell berechneten extremen Mehr-Belastungen auf den Straßen der Stadt westl. der A661 (Richtung Innenstadt) die Entlastungen östl. der A661 zur Farce. Damit führt das Projekt in der Summe zu noch mehr Verkehr in Frankfurt, gerade im Innenstadt-nahen Bereichen; er sorgt auch zur Überlastung der A661 durch den Anschluss des Riederwaldtunnels. Damit steht er der politisch anvisierten Verkehrswende unvereinbar gegenüber, vielmehr zementiert und verschlimmert er das heutige, stauüberlastete Frankfurt.

Konkreter offizieller Mehrverkehr auf den gerade für Frankfurt neuralgischen Straßenabschnitten durch Tunnel: (Vergleich 2030 mit und ohne Tunnel) – offizielle Unterlagen siehe Links unten oder bei der Autobahn GmbH: steffenchristopher.ruetenfrans@autobahn.de (verweisen aber auch genau auf diese öffentlichen Seiten):

·         Ratsweg +20% (beide Richtungen) (mit dann 100% Auslastung wird er der zukünftige Stauhotspot und somit Nachfolger des Erlenbruchs! –  und sorgt dafür, dass auch zukünftig noch Stau auf dem in ihn mündenden Erlenbruch sein wird!

·         Westl. A661: Friedberger Landstr. (stadtauswärts) , Hanauer Landstr. (stadteinwärts) je +30%! Alleenring +8% vor Bürgerhospital, Borsigallee plus 40% aus Richtung Norden zur AS Borsig; auch an die Kreuzungen in diesen Bereichen extrem belastet.

·         Und auf der A661 im Bereich AD Erlenbruch – AS Friedberger Landstr.: Tempo 30 kmh in der Rush hour! – Laut Prognose!!!

Damit steht der Riederwaldtunnel weder für eine „verkehrliche Entlastung Frankfurts“, noch für ein „leistungsfähiges Autobahnsystem“ im Osten, beides immer wieder zu unrecht als das Argument für den Tunnel angeführt.

Vielmehr wirft das Projekt – – bei einem gewünschtem Vollzug – bereits jetzt folgende Fragen auf:

–          Müssen wegen dem Tunnel auf den Einfahrtstraßen der Stadt Frankfurt (westl. der A661) bereits jetzt auf größere Radwege verzichtet werden, damit die Straßen den Mehrverkehr aus dem Tunnel schlucken können?

–          Soll die 661  komplett zwischen OF-Kaiserlei und Bad Homburger Kreuz 6-spurig werden?

–          Und welcher Mehrverkehr resultiert dann daraus wieder …. ?

Das wären die Konsequenzen des Tunnels. Dabei verlieren die Pendler weitere 10 Jahre im Stau, in denen ein ÖPNV-Ausbau im Frankfurter Osten nicht angegangen wird (Link zu Alternativen unten) und es wird wahrscheinlich jetzt weit über eine ½ Mrd Euro Geld der Bürger in einem Tunnel versenkt, die weit sinnvoller genutzt werden könnten.

Ganz abgesehen davon, dass wir wertvollste 6000 Jahre alte Alt-Main-Naturräume im Frankfurter Osten, einen wesentlichen Teil des Grüngürtels opfern! Der Stileichen und Hainbuchen-Bereich müsste bereits als Flora-Fauna-Habitat (EU-Natura 2000-Gebiet) ausgewiesen sein. Strafanzeigen wegen Naturzerstörungen durch Grundwasserschäden sind den angrenzenden streng geschützten Röhrich- und Silberweidenbereiche sowie Schwarzerlenbruch noch zusätzlich zu erwarten. Auch der Rückgang der Biodiversität und der Klimawandel in Frankfurt und weltweit, verbietet den Tunnelbau – schlussendlich aber vor allem die Verantwortung gegenüber den zukünftigen Frankfurtern, die noch nicht ahnen, was unsere „Blechliebe“ für schlimmste Konsequenzen für sie haben wird….

Und die Stadtregierung Berlin zeigt: Ein politischer Widerstand zur Verhinderung eine Stadtautobahn gegenüber dem Bundesverkehrsministerium kann geführt werden (siehe Link unten)! Stadt und Land auch in Frankfurt und Hessen, bitte beenden Sie Ihre passive Haltung!

Im übrigen gibt es für den Riederwaldtunnel aktuell und auch in den nächsten Jahren keine Betriebsgenehmigung. Dazu muss rechtlich zunächst das gerade angelaufene Einwendungsverfahren zur A661 plus Realisierung des Ausbaus mit allen Lärmschutzmaßnahmen bereits durchgeführt sein. Auch deswegen wäre eine Rodung/Baubeginn für den Riederwaldtunnel jetzt nicht zu rechtfertigen – trotz „Baugenehmigung“.

Inzwischen kann man im übrigen davon sprechen, dass sich sämtliche namhaften Verkehrs- und Umweltexperten gegen den Tunnel aussprechen. Höchste Zeit für einen Diskurs – bevor es im Herbst hitzig wird und mit der Rodung des Waldes Fakten geschaffen werden.

Wir laden Sie zu einem Austausch vor Ort ein, kommen Sie!  

Mit freundlichen Grüßen aus dem Riederwald,

BI Riederwald

PS: Hier zur offiziellen Prognose der Autobahn GmbH  (früher Hessen Mobil) (relevant: Vergleich der Zahlen für die Prognose 2030 auf Seite 72 (ohne Tunnel) und auf Seite 77 (mit Tunnel):

https://www.uvp-verbund.de/documents/ingrid-group_ige-iplug-he/6ABCA3DD-89AE-4250-9F2D-A7F283178D4F/U15.4.1a_E-Bericht%20Verkehrsuntersuchung.pdf

Und weitere Planungsunterlagen zur A66:

https://www.uvp-verbund.de/trefferanzeige?docuuid=6ABCA3DD-89AE-4250-9F2D-A7F283178D4F&plugid=/ingrid-group:ige-iplug-he

Wie ökologisch wertvoll der Fechenheimer Wald ist, dazu in der FR (auf Grundlage der Planungsunterlagen):

https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-autobahnbau-wuerde-tiere-aus-teufelsbruch-vertreiben-91076853.html

Stadt/Land Berlin zeigt, dass eine politische Ablehnung einer Stadtautobahn gegenüber dem Bundesverkehrsministerium sehr wohl möglich ist:

https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2022/03/berlin-autobahn-a100-ausbau-bund-17-bauabschnitt.html

Dass es zum Riederwaldtunnel sehr wohl Alternativen gibt, zeigten wir bereits

(auf Anfrage auch erweitertes Konzept des Bündnis Verkehrswende Frankfurt erhältlich):

https://archiv.bi-riederwald.de/news/344-alternativen-zum-a66-riederwaldtunnel

Zur BIR(iederwald):

Zu: Bäume statt Blechlawine, Fazit Raddemo und Einwendung Stadt zur Klimabilanz:

https://riederwald.org/2022/05/18/baume-statt-blechlawine/

Weitere news:

https://riederwald.org/beitrag-kategorie/bi-riederwald/

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