Der Fechenheimer Wald/Teufelsbruch: Ein besonders wertvoller Wald!

Das Thema griff die BI Riederwald im Rahmen unserer Baumdemo am 22. Mai 2022 „Fünf nach 12“ auf (siehe Bilder zur stimmungsvollen Demo unten).

Zunächst Frau Dr. Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft in Anlehnung an ihren Vortrag im April (siehe kompletten Foliensatz unten) 

„Ein ganz besonderer Wald: Biodiversität und ökologische Bedeutung des Fechenheimer Waldes“.

Ja in der Tat, unser Wald ist etwas ganz Besonderes!  (Trotzdem soll er im kommenden Winter für die A66 (mit Riederwaldtunnel) gefällt werden – die BI sagt: Nein! Wir brauchen nicht mehr Blech sondern mehr Wald in Frankfurt! – mehr dazu siehe Links unten)

Er fällt laut Frau Dr. Krohmer in den Waldtyp: „Sternmieren‐Eichen‐Hainbuchenwald“.

Mit einem solchen Wald gehen laut Frau Dr. Krohmer typischer Weise folgende Eigenschaften einher:

Standort: feuchter Boden (höhere Auenbereiche, etwas entfernt vom Gewässer), in trockenen Jahren Wasserversorgung durch Grundwasser

• dominierende Baumarten: Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus), auch Feld‐Ahorn (Acer campestre), Esche (Fraxinus excelsior); artenreiches Unterholz: Feld‐Ahorn (Acer campestre), Hasel (Corylus avellana), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Vogelkirsche (Prunus avium)

• Zahlreiche Frühblüher, wie Buschwindröschen (Anemone nemorosa), ….

• Weitere typische Pflanzenarten der Krautschicht: Große Sternmiere (Stellaria holostea), Wald‐Segge (Carex sylvatica), Zittergras‐Segge (Carex brizoides), Kleine Goldnessel (Lamium galeobdolon), Wald‐Ziest (Stachys sylvatica), Wald‐Knäuelgras (Dactylis polygama) und Erdbeer‐Fingerkraut (Potentilla sterilis).

Was macht diesen Waldtyp so besonders? Ihre Antwort:

• selten

• sehr naturnah

• strukturreich (auch Altersstruktur)

• artenreich, Lebensraum nicht nur für viele Pflanzen‐, sondern auch Tierarten.

• Besondere Insektenarten: tot‐ und altholzbewohnende Käferarten wie Eremit, Eichen‐

Heldbock und Hirschkäfer

• Fledermäuse (z.B. Bechstein‐ und Nymphenfledermaus …)

• Vögel (Mittelspecht, Grau‐ und Schwarzspecht, Hohltaube, …)

Artenvielfalt in Eichen‐Hainbuchenwäldern ist in den verschiedenen Pflanzen- und Tiergruppen enorm und übertrifft die von Buchenwäldern weit à Hotspot der Artenvielfalt .

Naturnahe Wälder mit einer Vielfalt standortheimischer Baumarten sind grundsätzlich widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel sind als arten- und

strukturarme Forstbestände – aber gegen heutige Trockenheit trotzdem anfällig, wenn das Grundwasser absinkt.

Bestandsaufnahme Fechenheimer Wald  (siehe für genauere Infos Folien unten):

A) Ergebnisse der Vogelkartierung (2009, 2010)

• im Untersuchungsgebiet konnten insgesamt 42 Vogelarten nachgewiesen werden – davon 18 gefährdete Arten

• sowohl typische Bewohner der Stadt, aber auch Arten des strukturreichen, parkartigen Offenlandes wie auch eng an alte Laubwälder gebundene Arten.

• Untersuchungsgebiet ist betreffend der Spechte mit sechs Arten sehr arten‐ und individuenreich.

B) Amphibien, Reptilien, Libellen (2009, 2010)

• Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria) sowie Bergmolch

(Triturus alpestris); Blindschleiche (Anguis fragilis) sowie die Waldeidechse (Zootoca vivipara) à keine streng geschützten Arten

• 16 Libellenarten (Gewässer am Erlenbruch 15 Artnachweise, Sausee mit 10 ). Bemerkenswert ist die hohe Nachweisdichte für die Keilflecklibelle (Anaciaeschna isosceles) im Erlenbruch.

Die Art ist in Hessen vom Aussterben bedroht.

• Insekten und insbes. Käfer wurden nicht erfasst

Probleme resultieren aus der Zerschneidung des Waldes auch für die Bechsteinfledermaus (siehe Folien S. 22, und zuvor S. 14 zu Fledermäusen im Allgemeinen). 

Dieser Lebensraumtyp des Anhangs I der FFH‐Richtlinie nach Veranlassung geschützt. 

Frau Dr. Krohmer dazu: Die Förderung und Sicherung der Arten und Lebensräume, die nicht alleine durch die Ausweisung von NATURA 2000‐Gebieten erreicht werden kann und für die Hessen eine besondere Verpflichtung hat, ist ein wichtiges Ziel der Hessischen BD‐Strategie.

Wie ökologisch wertvoll der Fechenheimer Wald ist, dazu in der FR (auf Grundlage der Planungsunterlagen):

https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-autobahnbau-wuerde-tiere-aus-teufelsbruch-vertreiben-91076853.html

Und hier noch Redebeiträge/Infos von der Baumdemo mit Führung im Fechenheimer Wald der BI Riederwald vom 22.5. zu den Themen Biodiversität, mögl. Schäden im streng geschützten Waldbereich neben dem Rodungsbereich, Generationengerechtigkeit, Verfassungsmäßigkeit,

Dr. Julia Krohmer (Senckenberg Gesellschaft) zu Biodiversität, Rede vom 22.5.2022 im Fechenheimer Wald (komplette Rede unten als PDF):

„… Wird über die hohe Artenvielfalt oder die Bedeutung von Wäldern als Kohlenstoffspeicher gesprochen, denken wir zunächst an die tropischen Regenwälder. Doch auch in Europa und hierzulande ist der Wald essenziell für das tägliche Leben in unserer Gesellschaft – ob, als Holzlieferant oder einfach beim Spaziergang im Wald. Gerade alte, artenreiche Wälder – wie dieser! – sind besonders wertvoll für uns. Sie erbringen zahlreiche Ökosystemleistungen (Ecosystem Services), nämlich sie

– reinigen und speichern Wasser

– reinigen Luft und erzeugen Sauerstoff

– sie speichern Kohlenstoff sowohl in der oberirdischen und unterirdischen Biomasse (Holz, Laub/Nadeln, Wurzeln) als auch im Boden; diverse Wälder binden besonders viel CO2 und sind deshalb besonders wertvoll und besonders wichtig, um den Klimawandel zu vermindern

– regulieren das lokale Klima

– sind äußerst wichtig für die biologische Vielfalt: Lebensraum für sehr viele Arten, z.T. für sehr spezialisierte, oft geschützte

– sie liefern Holz

– und haben einen großen Wert für Erholung und Freizeit.

All dies trifft für diesen Wald zu (zu dessen ökologischen Besonderheiten und großem Wert ich ja schon bei anderer Gelegenheit gesprochen habe)

Und gerade alte Mischwälder sind besonders resilient, also widerstandsfähig gegenüber Witterungsextremen. Gerade diese Eigenschaft ist heute immer wichtiger. ….“

„… Zu einem Zeitpunkt, an dem die Wälder durch den Klimaerwärmung massiv geschädigt werden, zu dem auch in Frankfurt der Großteil der Bäume (97 %) geschädigt sind, wollen wir noch Wald für eine Autobahn opfern?? … .“

Herr Dipl. Förster Ziesling führte uns fachkundig durch den Wald. Rechtliche Punkte auf den Schutz desRodungsgebietes aber auch der bedrohten Bereiche daneben, auf die wir hier speziell noch einmal hinweisen wollen:

Nach Bundesnaturschutzgesetz §30 „Gesetzlich geschützte Bereiche“ werden unter Absatz 2 unter Ziffer 1. ,2. und 4. verschiedene Biotope genannt, die pauschal geschützt sind und die auch in unserem Gebiet vorzufinden sind. Dies betrifft unter Ziffer 1 „naturnahe Verlandungsbereiche“, unter Zffer 2 „Röhrichte, Großseggenriede, Nasswiesen“ und unter Ziffer 4 „Bruch-, Sumpf- und Auenwälder“. Hier insbesondere auch der Silberweidenbereich und der Schwarzerlenbruch. Der pauschale Schutz bedeutet, dass es keiner weiteren Schutzkategorie bedarf (z.B. Naturschutzgebiet) bedarf, sondern dass die genannten Lebensraumtypen auch ohne weitere Ausweisung pauschal geschützt sind.

Nach Strafgesetzbuch §329 „Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete“ sind in Absatz 3 mehrere Versagungstatbestände , u.a die Rodung von Wald oder die Entwässerung von Feuchtgebieten genannt. Zu prüfen wäre auch, ob hier ein „besonders schwerer Fall einer Umweltstraftat“ (§330 StGB)

Der Einfluss auf das Grundwasser ist Bestandteil der Planfeststellung, nach der eine beträchtliche Absenkung erfolgen soll (wegen AS Borsigallee – mit unterirdischer Zuführung) und Trog durch Teufelsbruch zum Tunnel). Alle Baumaßnahmen, insbesondere der Bau von Verkehrsanlagen führt zu Beeinträchtigungen des Grundwassers, da vor allem die oberste wasserführende Schicht angeschnitten werden muss. Hier gilt es noch einmal in die Planfeststellung zu blicken, und mögliche weiter bestehende Risiken zu identifizieren.

Und zur FFH-Richtlinie, der wohl auch auf den Rodungsbereich anwendbar ist: Hier im Fechenheimer Wald sind sehr seltene Lebensraumtypen (LRT) zu finden, so der Stieleichen-Hainbuchenwald oder Erlenbruchwald. Eigentlich ein Fall für die Europäische Union vortragen, hier müsste wohl die Unteren und Oberen Naturschutzbehörde von Frankfurt wegen des Verstoßes zu den FFH-Richtlinien tätig werden. Weitere Infos unter

www.fauna-flora-habitatrichtlinie.de

Wolf-Rüdiger Hansen, BUND Kreisverband Frankfurt, auf unserer Demo vom 22.5. (kompletter Text zu Generationengerechtigkeit und Urteil des Bundesverfassungsgerichts unten als PDF) :

„Unsere heutige Demo gegen den A66-Lückenschluss in Frankfurt findet unter bedrohlichen

Vorzeichen statt: In Indien herrscht gerade eine Hitzewelle, die die Temperaturmarke von

50-Grad testet. Durch Nordrhein-Westfalen rasten am Freitag Tornados, die ein

Kirchturmdach weggeblasen habe. In der Ukraine wird dieser grausame Krieg gegen

Menschen, Natur und Klima geführt. In Frankfurt will die Autobahn GmbH drei Hektar des

Fechenheimer Waldes roden, ein wertvolles im aktuellen Biotop- und Artenschutzkonzept

hochgelobtes Ökosystem. Es ist auch Teil des Grüngürtels, der seinerseits durch eine

Verfassung geschützt ist. Den Politikern ist das alles egal. Sie geben sich hilflos im Angesicht

dieses Umwelt- und Klimaschadens und vernichten weiter Natur. …“

„… Die Wasserentnahme aus dem Stadtwald und den umliegenden Entnahmegebieten ist

prekär: Grundwasserspiegel sinken. Wälder sterben. Feuchtgebiete trocknen aus. Wir haben

große Furcht, welchen Schaden Fechenheimer Wald, Riederwald und Teufelsbruch durch die

gigantischen Baugruben für den A66-Lückenschluss und den Riederwaldtunnel nehmen

könnten. Es wird insgesamt zur Beeinträchtigung der Frankfurter Grundwasservorräte

führen und wegen fallender Grundwasserstände den Bäumen den Zugriff aufs Wasser

erschweren. Steht uns da ein weiteres Baumsterben bevor? Wir brauchen aber den

Grüngürtel und die Stadtnatur für das Wohlergehen der Bürger:innen, das ist auch eine

ethische Verpflichtung … .“

Rainer Frey, Sprecher BI Riederwald, auch auf der Demo vom 22.5.:

„ … Die Raddemo gegen den Autobahnausbau in Frankfurt am 30.4. hat mit 600 Teilnehmern gezeigt,

dass das Thema Schritt für Schritt in den Blick der Frankfurter kommt!  Auch die Forderung von Klima- und Umweltdezernentin Heilig nach der Überprüfung des Ausbaus der A661 auf das Klima im Einwendungsverfahren nun Anfang Mai zeugt von einem neuen Umgang mit diesem Fossil aus den 70gern des vergangenen Jahrhunderts! Vielen Dank!

Wollen wir tatsächlich noch eine weitere Zerstörung wertvoller Naturräume im Frankfurt Osten? Wollen wir trotz zukünftiger Hitzesommern ein 6-spuriges Asphaltband plus 2 Standstreifen anstelle eines erfrischenden Waldes? Nein!

Dazu kommt die mindestens 10-jährige Mega-Baustelle mit massiven Eingriffen in die Grundwasserstruktur (- auch hier im Wald), die das Risiko weiterer drastischer Schäden an der Natur bergen!

Und warum? Für „Entlastung des Verkehrs“, „Leistungsfähiges Autobahnsystem“, wird permanent von manchen Politikern wiederholt, und viele glauben es wohl auch!

Nach den offiziellen Prognosezahlen für 2030 (Vergleich mit und ohne Tunnel) der Autobahn GmbH: Die Bilanz für Frankfurt ist vernichtend! Der Tunnel sorgt für noch mehr Verkehrschaos:

Ratsweg +20% (mit dann 100% Auslastung wird er der zukünftige Stauhotspot, damit Nachfolger des Erlenbruchs! –  Bzw. sorgt dafür, dass auch zukünftig noch Stau auf dem Erlenbruch sein wird!),

Friedberger Landstr., Hanauer Landstr. je +30%! Alleenring +8% vor Bürgerhospital, Borsigallee plus 40% aus Richtung Norden zur AS!

Und auf der A661 im Bereich AD Erlenbruch – AS Friedberger Landstr.: Tempo 30 kmh in der Rush hour! – Laut Prognose!!!

Welcher weitere Straßenausbau steht in Folge des Tunnels an? Soll die 661 zukünftig komplett 6-spurig werden? Und Richtung Innenstadt- doch keine neuen Radwege? – Wer will das noch ???

Das heißt wir Frankfurter und die Pendler verlieren nun weitere 10 kostbare Jahre im Rahmen des Autobahnbaus, und eine halbe Mrd Euro, um dann im Jahr 2032 zu sehen, dass der Tunnel nichts bringt, sondern alles verschlimmert!

Und dafür opfern wir jetzt für immer die wervolle Natur und das Klima im Frankfurter Osten? Deshalb brauchen wir jetzt eine Kehrtwende, Schluss mit der Selbstzerstörung!

Und die Stadtregierung Berlin zeigt: Ein politischer Widerstand zur Verhinderung eine Stadtautobahn gegenüber des Bundesverkehrsministeriums kann sehr wohl geführt werden!“

Mehr Infos auch vor Ort am Bauwagen und insbesondere Sonntags-Spaziergänge im Fechenheimer Wald immer am Sonntag, 14.00 Uhr (Höhe Kruppstraße), mehr dazu unter:

https://parentsforfuture.de/de/frankfurt

Zum Vortrag von Frau Dr. Krohmer und Prof. Dr. Albrecht Müller zur Ökologie Fechenheimer Wald und zur dessen Vernichtung für den A66-Riederwaldtunnel (Video und Folien) – Vortrag im Rahmen des Bündnis Verkehrswende Frankfurt vom 4. April 2022:

.

(und zum Thema Autobahnbau und Klima (Prof. Dr. Martin Lanzendorf und Dipl. Geograph Wulf Hahn, Folien und Film)): . | Bündnis Verkehrswende Frankfurt (buendnis-verkehrswende-frankfurt.de )

Und zu Verabschiedung von Baumrechten in Frankreich:

Zur BIR(iederwald):

Zu: Offener Brief an die Politiker von Land und Stadt vom 31.5.2022 wegen Mehrverkehr für Frankfurter Innenstadt laut Prognose 2030

Riederwaldtunnel: Prognose 2030: Nun deutlicher Mehrverkehr statt Entlastung – Riederwald

Zu: Bäume statt Blechlawine, Fazit Raddemo und Einwendung Stadt zur Klimabilanz:

BI Riederwald (BIR) – Riederwald

Und Gleich für den Newsletter anmelden: Mail an info@bi-riederwald.de. Nur so erreichen wir Sie!

Hier gibt es noch die Rede von Frau Dr. Krohmer vom 22.05., ihre Präsentation zum Fechenheimer Wald und die Rede von Herrn Hansen, BUND Kreisverband Frankfurt, zum Thema Generationengerechtigkeit: